Hausärzt:in Hamburg  l März 2021

Liebe Mitglieder,

eine turbulente Woche geht zu Ende: Am Montag wurde die Coronavirus-Impfverordnung neu gefasst. Diese hätte ermöglichen können, dass am Mittwoch die Gesundheitsminister der Länder einen Impfstart in den Hausarztpraxen festlegen. Vor dem offiziellen Beschluss kam tagesgleich ein Angriff: Stiko-Chef Thomas Merten und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürchten, dass sich Hausärzt:innen bei Zugang zum Impfstoff über die Impfreihenfolge hinwegsetzen würden – womöglich würde nur noch geimpft, wer „gute Beziehungen“ zu seiner Hausarztpraxis pflege.
Diesen öffentlichen Angriff haben wir nicht auf uns sitzenlassen und vom Bundes- wie Landesverband umgehend reagiert, einige Auszüge aus der Tagesschau oder den Hamburger Medien finden Sie auf unserer Homepage.
Und letztlich ist es dann doch anders gekommen, denn die Gesundheitsminister der Länder haben eine klare Aussage gescheut und überlassen die Entscheidung den Ministerpräsidenten für deren nächste Sitzung am 22. März 2021. Nur die Bayern haben heute den Impfstart in Hausarztpraxen für den 1. April festgelegt.

 
Doch vom medialen Fieber zu unaufgeregten Fakten. Impfen ist seit jeher hausärztliche Aufgabe, denn:
  • wir haben die langjährige, vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung (schon jetzt möchte ein Drittel der Patient:innen aus der Priorisierungsgruppe 1 nicht im Impfzentrum, sondern in der Hausarztpraxis geimpft werden)
  • wir verfügen über langjährige Erfahrung bei flächendeckender Impfung der breiten Bevölkerung
  • die Betreuungssituation ist in Praxen bekannt
  • wir bieten alltagstauglichere Terminvereinbarung
  • die Erfahrung zeigt: Lagerung und Distribution der Impfstoffe (auch BioNTech und Moderna) sind in den Hausarztpraxen handhabbar.
Auf allen Entscheidungsebenen fordern wir hausärztliche Belange ein und werden Sie sofort informieren, wenn klar ist, bei welcher Priorisierungsstufe wir einsteigen - damit Sie Ihre Praxen bis zum Impfstart optimal vorbereiten können. Zum jetzigen Zeitpunkt sind viele dafür wichtige Dinge noch nicht geklärt: Verfügbarkeit des Impfstoffs sowie Bestellung und Distribution, Priorisierung, Terminvereinbarung, Dokumentation, zusätzlicher Praxisbedarf, Vergütung, Patienteninformation oder Haftung.
No. 1: Zeitsparend
Stellen Sie die Aufklärungsbögen der drei derzeitigen Impfungen auf Ihre Homepage, Ihre Patient:innen müssen diese bereits ausgedruckt und unterschrieben mitbringen.
 
No. 2: Selbstbestimmt: Jetzt spätestens ran an die TSS!

Lassen Sie sich das Steuer nicht aus der Hand nehmen und buchen Sie weitestgehend alleinig die Termine über die TSS (kommende Impfung wie bereits die Schnelltests). Das ist nicht so kompliziert, wie es scheint - anbei die Anleitung.
 
Zur Vergütung fordern wir, dass die Impfung und die Impfberatung additiv vergütet werden müssen. Und die Anforderungen an die Dokumentation muss so schlank wie möglich sein. Die Stellungnahme ist auf der Webseite des Verbands einsehbar.
 
Schnelltest
Ein weiterer Baustein in der Pandemiebekämpfung sind die Schnelltests:
Mitglieder bekommen über ein Hamburger Unternehmen sehr komfortabel zu händelnde und natürlich gelistete POC-Tests  (Stückpreis etwa 6,05 Euro). Bei Interesse bitte eine E-Mail an die Geschäftsstelle.

Abrechnung der Tests  mit den EBM-Ziffer 88310, 88312
Bis zum 31.03.2021 sind über die 88312 noch die Sachkosten in Höhe bis zu 9 € abrechenbar, ab 1.4. wird dies auf 6 € abgesenkt.
 
Die Stimmung wird klarer!
In der zweiten Februarhälfte gab es einen Beteiligungsrekord an der Panel-Umfrage des Instituts für Allgemeinmedizin unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Scherer von fast 1.000 Hausärzt:innen.
Neben den Teilnahmezahlen wächst auch das mediale Interesse für den hausärztlichen Praxisklimaindex wie etwa im Spiegel oder der Ärztezeitung
Die Ergebnisse sind beeindruckend (lesen Sie hier)  und wir freuen uns, wenn Sie sich auch in dieser Woche an der Umfrage beteiligen: zur Umfrage.
 
Vergütung ePA: Nicht nur anwenderunfreundlich, sondern auch noch schlecht bezahlt
 
Ein Schiedsspruch des Erweiterten Bewertungsausschusses (EBA) regelt die Vergütung rund um die ePA. Demnach werden zwei neue GOP 01431 und 01647 rückwirkend zum 1. Januar 2021 in den EBM aufgenommen. Die GOP 01647 (1,67 Euro / 15 Punkte) können Hausärzt:innen einmal im Quartal ansetzen, wenn sie Daten in der ePA erfassen, verarbeiten und/oder speichern. Sie wird als Zuschlag zur Versichertenpauschale gezahlt. Findet in dem Quartal kein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt und keine Videosprechstunde statt, rechnen Praxen die GOP 01431 (33 Cent / 3 Punkte) ab. Sie kann je Hausarzt bis zu viermal im Quartal für einen Patienten abgerechnet werden. Die Vergütung erfolgt jeweils extrabudgetär.
Der Beschluss des EBA umfasst nicht die Erstbefüllung der ePA. Die Vergütung dafür hat für das Jahr 2021 der Gesetzgeber festgelegt. Praxen erhalten demnach 10 Euro pro sektorenübergreifender Erstbefüllung. Zu den konkreten Abrechnungsdetails dieser Pauschale wird derzeit noch eine sektorenübergreifende Vereinbarung erarbeitet.
 
Schon gesehen? Wir nehmen Sie gerne in den E-Mailverteiler auf.
 
23. März 2021: Hausärztliche Fortbidung Hamburg (HFH) "Über- oder unterdiagnostiziert und wie behandeln?": Rheuma (HzV)
24. März 2021: 15. Tag der Weiterbildung Allgemeinmedizin Hamburg 
30. April 2021: Forum Hausärztinnen 
 
Nota bene: Weiterbilder:innen müssen ihren ÄiW für die Seminartage frei geben, dieser feste Bestandteil der Ausbildung ist weder Urlaub noch muss die Zeit nachgearbeitet werden.